07) Die Konditional-Sätze (Die Bedingungssätze)

 

 

Der Konditional-Satz, auch Bedingungssatz genannt, sagt aus, dass, wenn eine bestimmte Handlung im Nebensatz („wenn / falls“) erfüllt wird, eine Handlung im Hauptsatz die Folge ist.

 

Es gibt 3 verschiedene Konditional-Sätze, die man auch von der Zeitenfolge her unterscheiden muss.

 

Man unterscheidet den realen, möglichen (hypothetischen) und irrealen Bereich.

Zum realen Bereich gehört der Konditional-Satz I, auch Realis genannt; zum Bereich des Möglichen (Hypothese) gehört der Konditional-Satz II, auch Potentialis oder Irrealis der Gegenwart genannt; zum irrealen Bereich gehört der Konditional-Satz III, auch Irrealis der Vergangenheit genannt.

 

Bedingungssätze bestehen aus 2 einzelnen Sätzen, einem Hauptsatz und einem Neben-Satz, der immer der „wenn / falls“-Satz ist.

 

wenn / falls“ sind die am häufigsten gebrauchten Konjunktionen (Bindewörter) sind, um den Bedingungssatz einzuleiten. Es gibt noch weitere Konjunktionen oder Ausdrücke, die den Bedingungssatz einleiten, auf die hier nicht, sondern im Kapitel 11) – Konjunktion, eingegangen wird.

 

Ob der Nebensatz mit „wenn / falls“ vor dem Hauptsatz steht oder nach diesem, ist egal. Es steht auf jeden Fall immer ein Komma zwischen dem Haupt- und Nebensatz.

 

 

Die Zeitenfolge in den Konditional-Sätzen ist im Deutschen ein bisschen komplizierter. Im Deutschen sollten in den Konditional-Sätzen II und III streng genommen Konjunktiv-Formen benutzt werden. Da aber die Konjunktiv II Präsens-Formen (Imperfekt des Konjunktivs) bei den unregelmäßigen Verben sehr gestelzt wirken und die bei den regelmäßigen Verben mit denen des Indikativ Imperfekts gleich sind, benutzt man im Konditional II-Satz fast immer die Umschreibung mit „würde+ Infinitiv“, im Konditional-Satz III dagegen werden im Nebensatz („wenn / falls“) die „würde-Formen“ nie, im Hauptsatz selten benutzt, sondern die normalen Formen des Konjunktiv II-Perfekts (Plusquamperfekt des Konjunktivs) mit „hätte“ und „wäre“ und dem Partizip II. „würde“ selbst ist die Konjunktiv II Präsens-Form (Imperfekt des Konjunktivs) von „werden“. Es ist falsch, in beiden Sätzen, sowohl im Haupt- als auch im Nebensatz, beim Konditional-Satz II die „würde-Form“ zu benutzen.

 

 

 

Konditional-Satz II

 

Grammatisch korrekt ist folgender Satz :

 

Wenn ich ihn sähe, grüßte ich ihn.

 

Umschreibung mit „würde:

 

Wenn ich ihn sähe, würde ich ihn grüßen.

Wenn ich ihn sehen würde, grüßte ich ihn.

 

Aber nie :

 

Wenn ich ihn sehen würde, würde ich ihn grüßen.

 

 

NB :

Die Formen mit „würde“ werden geduldet, sonst aber offiziell nicht grammatikalisiert.

 

 

 

Konditional-Satz III

 

Korrekte Anwendung :

 

Wenn ich ihn gesehen hätte, hätte ich ihn gegrüßt.

 

Eher selten :

 

Wenn ich ihn gesehen hätte, würde ich ihn gegrüßt haben.

 

Aber nie :

 

Wenn ich ihn gesehen haben würde, würde ich ihn gegrüßt haben.

 

Und auch nie :

 

Wenn ich ihn gesehen haben würde, hätte ich ihn gegrüßt.

 

 

NB :

Stehen die Konditional-Sätze I - III am Anfang des Satzes, kann das „wenn“ oder „falls“ auch entfallen und das Verb rückt an die 1. Stelle. Steht der Konditional-Satz allerdings hinter dem Hauptsatz, kann die Konjunktion nicht entfallen.

 

Wenn ich ihn sehe, grüße ich ihn / werde ich ihn grüßen.

Sehe ich ihn, grüße ich ihn / werde ich ihn grüßen.

Ich grüße ihn / werde ihn grüßen, wenn ich ihn sehe.

 

Wenn ich ihn sähe, grüßte ich ihn / würde ich ihn grüßen.

Sähe ich ihn, grüßte ich ihn.

Ich grüßte ihn / würde ihn grüßen, wenn ich ihn sähe.

 

Wenn ich ihn gesehen hätte, hätte ich ihn gegrüßt.

Wenn ich ihn gesehen hätte, würde ich ihn gegrüßt haben.

Hätte ich ihn gesehen, hätte ich ihn gegrüßt.

Ich hätte ihn gegrüßt, wenn ich ihn gesehen hätte.




ZEITENFOLGE IN DEN KONDITIONAL-SÄTZEN I – III
:

 

 

 

a) Konditional-Satz I : („Realis“)

 

Dieser Konditional-Satz drückt aus, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass die Handlung im Hauptsatz eintreffen wird, da die Bedingung im „wenn / falls“-Satz“ (Nebensatz) erfüllt wird oder erfüllt werden kann.

 

Am häufigsten sind die folgenden Kombinationen :

 

Konditional-Satz I : Realis

 

Zeit

Neben-Satz (wenn / falls-Satz)

Zeit

Hauptsatz

 

Indikativ Präsens

 

 

a) Indikativ Präsens

b) Imperativ

c) Futur I

 

 

Beispiele :

 

Falls ich beim Bäcker vorbeikomme, bringe ich dir etwas mit.“

Wenn ich ihn sehe, grüße ich ihn von dir.“

 

Wenn du bei mir vorbeikommst, vergiss die Bücher nicht !

Beeil dich, falls du mitfahren willst !

 

Wenn du wirklich Medizin studieren willst, wirst du mehr lernen müssen.“

 

Wenn ich viel Geld habe, werde ich mir ein Haus kaufen.“

 

 

 

b) Konditional-Satz II :

(„Potentialis“ oder „Irrealis der Gegenwart“)

 

Dieser Konditional-Satz gehört zum Bereich des Möglichen. Es ist nicht sehr wahrscheinlich bis unwahrscheinlich, dass die im „wenn / falls“-Satz (Nebensatz) ausgedrückte Bedingung eintritt und somit die Handlung im Hauptsatz realisiert werden kann, es ist aber trotzdem möglich, und wenn auch nur zu 1%.

 

Konditional-Satz II :

(„Potentialis“ oder „Irrealis der Gegenwart“)

 

Zeit

Neben-Satz (wenn / falls-Satz)

Zeit

Hauptsatz

 

Konjunktiv II Präsens

(Imperfekt des Konjunktivs)

Konjunktiv II Präsens

(Imperfekt des Konjunktivs)

 

Wenn es schönes Wetter wäre, gingen wir spazieren.“

Wenn es schönes Wetter wäre, würden wir spazieren gehen.“

 

Wenn ich Zeit hätte, führe ich dich nach Hause.“

Wenn ich Zeit hätte, würde ich dich nach Hause fahren.“

 

Wenn ich mehr arbeitete, verdiente ich mehr.“*

Wenn ich mehr arbeiten würde, verdiente ich mehr.“

Wenn ich mehr arbeitete, würde ich mehr verdienen.“

 

Wenn es mehr nette Menschen gäbe, wäre alles einfacher.“

Wenn es mehr nette Menschen geben würde, wäre alles einfacher.“

 

Wenn du die Wahrheit sagtest, freuten sich alle.“*

Wenn du die Wahrheit sagen würdest, freuten sich alle.“

Wenn du die Wahrheit sagtest, würden sich alle freuen.“

 

 

Wenn wir gewönnen / gewännen, würden wir Meister.“

Wenn wir gewönnen / gewännen, würden wir Meister werden.“

Wenn wir gewinnen würden, würden wir Meister.“

 

Wenn du weniger trügest, täte dir nicht der Rücken weh.“

Wenn du weniger trügest, würde dir nicht der Rücken weh tun.“

Wenn du weniger tragen würdest, täte dir nicht der Rücken weh.“

 

Wenn ich eine Chance sähe, ergriffe ich sie.“

Wenn ich eine Chance sehen würde, ergriffe ich sie.“

Wenn ich eine Chance sähe, würde ich sie ergreifen.“

 

Wenn er Deutsch könnte, verstände / verstünde er mich.“

Wenn er Deutsch könnte, würde er mich verstehen.“

 

Wenn wir zu viel darüber redeten, brächte dies auch nichts.“

Wenn wir zu viel darüber reden würden, brächte dies auch nichts.“

Wenn wir zu viel darüber redeten, würde das auch nichts bringen.“

 

Wenn ich dürfte, täte ich es.“

Wenn ich dürfte, würde ich es tun.“

 

Wenn er es verböte, machte ich es trotzdem.“

Wenn er es verbieten würde, machte er es trotzdem.“

Wenn er es verböte, würde er es trotzdem machen.“

 

Wenn ich du wäre, ließe ich ihn gewähren.“

Wenn ich du wäre, würde ich ihn gewähren lassen.“

 

Wenn es mehr kostete, kaufte ich es trotzdem.“*

Wenn es mehr kosten würde, kaufte ich es trotzdem.“

Wenn es mehr kostete, würde ich es trotzdem kaufen.“

 

Wenn er nicht so viel äße, nähme er ab.“

Wenn er nicht so viel essen würde, nähme er ab.“

Wenn er nicht so viel äße, würde er abnehmen.“

 

 

NB :

- Zu den Formen des Konjunktiv II Präsens (Konjunktiv Imperfekt) siehe die Seiten 159-181 im Kapitel 06) - Verb !

- Zu den Regeln, wann man die „würde-Formen“ benutzen darf oder kann und wann nicht, siehe die Seiten 182 + 193 und 196 + 197 im Kapitel 06) - Verb !

- Die orange markierten Verb-Formen sind die korrekten Konjunktiv II Präsens-Formen (Konjunktiv Imperfekt), die beim Konditional-Satz II anzuwenden sind. Darunter stehen die Alternativ-Möglichkeiten mit den „würde-Formen“. Man kann aber immer nur einen der Sätze mit der „würde-Form“ formulieren. Manche Verben bilden keine „würde-Form“, wie z.B. die Hilfsverben „haben“, „sein“ und „werden“ sowie alle Modalverben (Sieh Beispiele !). Bei manchen Verben ist es dem eigenen Geschmack überlassen, ob man die „würde-Form“ benutzt oder nicht. Ob jetzt die Form „ich sähe“ statt „ich würde sehen“ oder „ich täte“ statt „ich würde tun“ besser klingt, muss jeder selbst entscheiden. Ich würde die Konjunktiv II Präsens-Formen (Konjunktiv Imperfekt) vorziehen, auch wenn sie teilweise seltsam klingen. Man muss nur darauf achten, dass man die „würde-Form“ nicht in beiden Sätzen benutzt und dass die Hilfsverben und alle Modalverben die „würde-Form“ nicht kennen.

- Eine wichtige Sache ist doch noch zu berücksichtigen : Die mit * gekennzeichneten Beispiel-Sätze haben im Indikativ Imperfekt und Konjunktiv II Präsens (Konjunktiv Imperfekt) komplett gleiche Formen; man kann also nicht unterscheiden, ob es sich aus dem Satz-Zusammenhang um einen Indikativ oder einen Konjunktiv handelt. In diesen Fall sind die „würde-Formen“ auf jeden Fall vorzuziehen, aber bitte nur in einem der beiden Sätze. Durch die Benutzung der „würde-Form“ sieht man sofort, dass es sich um einen Konjunktiv handelt. Man kann auch einfach die Konjunktion „falls“ statt „wenn“, die wesentlich häufiger als „falls“ ist, benutzen; dann braucht man auch nicht auf die „würde-Formen“ zurück(zu)greifen.

Die folgenden Beispiele auf der nächsten Seite stellt dies noch einmal tabellarisch dar.

 

 

 

Woran kann man welchen Modus erkennen ?

(hier : Indikativ und Konjunktiv)

 

Wenn ich mehr arbeitete, verdiente ich mehr.

(Indikativ oder Konjunktiv Imperfekt -

entweder temporales oder konditionales „wenn“)

Wenn ich mehr arbeiten würde, verdiente ich mehr.

(eindeutig Konjunktiv Imperfekt durch die „würde-Form“)

Wenn ich mehr arbeitete, würde ich mehr verdienen.

(eindeutig Konjunktiv Imperfekt durch die „würde-Form“)

Falls ich mehr arbeitete, verdiente ich mehr.

(eindeutig Konjunktiv Imperfekt durch die Konjunktion „falls“)

 

 

Wenn du die Wahrheit sagtest, freuten sich alle.

(Indikativ oder Konjunktiv Imperfekt -

entweder temporales oder konditionales „wenn“)

Wenn du die Wahrheit sagen würdest, freuten sich alle.

(eindeutig Konjunktiv Imperfekt durch die „würde-Form“)

Wenn du die Wahrheit sagtest, würden sich alle freuen.

(eindeutig Konjunktiv Imperfekt durch die „würde-Form“)

Falls du die Wahrheit sagtest, freuten sich alle.

(eindeutig Konjunktiv Imperfekt durch die Konjunktion „falls“)

 

 

Wenn es mehr kostete, kaufte ich es trotzdem.

(Indikativ oder Konjunktiv Imperfekt -

entweder temporales oder konditionales „wenn“)

Wenn es mehr kosten würde, kaufte ich es trotzdem.

(eindeutig Konjunktiv Imperfekt durch die „würde-Form“)

Wenn es mehr kostete, würde ich es trotzdem kaufen.

(eindeutig Konjunktiv Imperfekt durch die „würde-Form“)

Wenn es mehr kostete, kaufte ich es trotzdem.

(eindeutig Konjunktiv Imperfekt durch die Konjunktion „falls“)

 

 




c)
Konditional-Satz III :
(„Irrealis der Vergangenheit“)

 

Dieser Konditional-Satz gehört zum Bereich des Irrealen. Es ist unmöglich, dass die im „wenn / falls“-Satz (Nebensatz) ausgedrückte Bedingung eintritt oder noch eintreten könnte und somit die Handlung im Hauptsatz realisiert werden kann, da der Zeitpunkt in der Vergangenheit liegt, also definitiv vorbei ist.

 

 

Konditional-Satz III : („Irrealis der Vergangenheit“)

 

Zeit

Neben-Satz (wenn / falls-Satz)

Zeit

Hauptsatz

 

Konjunktiv II Perfekt

(Plusquamperfekt des Konjunktivs)

Konjunktiv II Perfekt

(Plusquamperfekt des Konjunktivs)

 

Wenn schönes Wetter gewesen wäre, wären wir spazieren gegangen.“

 

Falls er die Wahrheit gesagt hätte, hätte das allen geholfen.“

 

Falls sie früher gekommen wären, hätten wir mehr Zeit gehabt zu lernen.“

 

Wenn meine Mutter den Zug nicht verpasst hätte, hätte ich nicht unnütz am Bahnhof rumgestanden.“

 

 

NB :

Die „würde-Formen“ können nur im Hauptsatz gebraucht werden, und auch da sind sie äußerst selten. Die korrekten Konjunktiv II Perfekt-Formen (Konjunktiv Plusquamperfekt) werden hier bevorzugt, da sie auch nicht umständlich oder unschön klingen.